Der Fachkräftemangel ist ein Mythos

Dezember 2019 - Der Fachkräftemangel ist ein Mythos

Im Kanzleramt fand gestern der Fachkräftegipfel statt:

Die Wirtschaft trommelt, mehr Personal aus dem Ausland anzuwerben und die Politik stellt sich in ihre Dienste.

Die Wahrheit ist:

Soweit es in Deutschland tatsächlich einen Mangel an Fachkräften gibt, sind Regierung und Wirtschaft selbst schuld.

Die Politik, weil sie seit Jahren nichts gegen die chronische Unterfinanzierung der deutschen Bildungseinrichtungen tut: nichts gegen Lehrermangel, den Unterrichtsausfall, die oft unerträgliche Zustände gerade in Schulen ärmerer Stadtviertel.
Und die großen börsennotierten Unternehmen, weil sie die Zahl der angebotenen Ausbildungsplätze in vergangenen Jahren sogar reduzierten. Dividendenpflege ist offenbar die wichtigere Zukunftsaufgabe. Im Ergebnis hat sich die Anzahl von Jugendlichen, die sich vergeblich um eine Lehrstelle bewerben, von 2010 bis 2017 verdoppelt.

Das Gerede vom flächendeckenden Fachkräftemangel ist ein Mythos, hinter dem sich knallharte Interessenpolitik verbirgt. Denn wo Fachkräfte fehlen, müssten Unternehmen alles tun, um Beschäftigte mit guten Löhnen und dauerhaften Verträgen möglichst langfristig zu binden. Tatsächlich war auch im letzten Jahr fast die Hälfte aller Neueinstellungen befristet. Und die Reallöhne stiegen um ein schlappes Prozent.

Das der Fachkräftemangel ein Mythos ist, belegen auch die Zahlen der Bundesagentur für Arbeit: Im November waren in Deutschland 1,49 Millionen Fachkräfte als arbeitslos beziehungsweise arbeitssuchend gemeldet. Dem standen 478.000 gemeldete Arbeitsstellen für Fachkräfte gegenüber. Noch Fragen?

Es mangelt also nicht an Fachkräften, sondern in erster Linie an Unternehmen, die ausbilden, die gute Löhne zahlen und faire Arbeitsbedingungen bieten.

Dazu sollte das Kanzleramt mal einen Krisengipfel machen, statt die Wirtschaft mit billigen Arbeitskräften aus dem Ausland zu versorgen, mit denen sie hier die Löhne drücken können und deren Fähigkeiten und Qualifikationen in ihren Heimatländern dringend gebraucht werden.

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